Doaswald einst und jetzt

Der Doaswalder Magnesitstollen

 

Es war 2013 als der Kirchheimer Unternehmer für Erdarbeiten, Bernd Laßnig einen besonderen Auftrag erhielt. Er machte sich gemeinsam mit einem Salzburger Unternehmen auf den Weg nach Oswald in den Würchegger Berg.

Dort schlummerte schon seit mehreren Jahrzehnten ein alter Explorationsstollen der heutigen RHI AG vor sich hin und sollte nun, der Sicherheit wegen, verschlossen werden. Die Stelle ist gut durch einen rostroten Felsenturm oberhalb des Forstweges gekennzeichnet. Dieser hängt gefährlich über dem Weg und wirft nach und nach Blöcke des stark verwitterten Gesteins ab.

 

 

Bernd erinnert sich noch gut an den Tag zurück, als er mit einem Anfangs etwas mulmigen Gefühl im Magen den Stollen betrat. Die Zimmerung, welche nur die ersten paar Meter des Stollenmundes in Anspruch nahm, war nach etlichen Jahren schon in einem miesen Zustand. Doch nach einigen Metern verschwand diese und wich einem massiven Stollen im Festgestein, welcher einen äußerst soliden Eindruck machte. Jedoch wagten sich Bernd und der Arbeiter der Salzburger Firma dann doch nicht mehr als 150 Meter in den Stollen hinein.

Um die generelle Gefahr eines Einsturzes zu verhindern und auch um allzu neugierige Wanderer davon abzuhalten, sich unnötig in eine gefährliche Situation zu begeben, entschloss man sich diesen Stollen zu versiegeln. Hierbei war es Bernds Aufgabe einen Wall vor dem Stollenmund zu errichten, welcher als Trichter fungieren sollte. Schließlich wurde so lange Beton in den Schlund gegossen bis der alte Stollen verschlossen war.

Heute ist der Bereich schon längst verwachsen und wenn man nicht weiß, wo man suchen soll, findet man den Stollen nur schwer. Nurmehr eine kleine flache Abraumhalde mit Plateau und kleiner Steinschlichtung unterhalb des Forstweges zeugt noch von dem einstigen Stollen.

Die Nockberge, insbesondere die Gegend rund um die Millstätter Alpe und Radenthein sind schon seit langer Zeit vom Bergbau geprägt und so ist es nicht verwunderlich, dass auch das Dörfchen St. Oswald einstmals in den Fokus der damaligen Bergwerksbetreiber, der Veitscher Magnesit AG und der ÖAMAG (heute RHI AG) geraten ist. Der Würcheggerberg war ursprünglich im Besitz der Familie Prägant, welche auch einstmals den Lackenwirt bewirtschaftet haben. Dieser wurde in weiterer Folge jedoch von den Brüdern Maier gekauft. Einer der Gebrüder Maier hatte offensichtlich ein gutes Gespür fürs Geschäft und verkaufte das Grundstück, auf welchem Magnesit gefunden wurde, um den 10fachen Preis an die Veitscher Magnesit AG, welche es der damaligen ÖAMAG vor der Nase weg geschnappt hat. Ein Sondierungsstollen wurde sogleich aufgefahren. Aufgrund seiner hohen Temperaturbeständigkeit von bis zu ca. 3000°C ist Magnesit ein begehrter Rohstoff zur Herstellung von feuerfesten Sintermagnesit Ziegeln, welche unter anderem zum Bau und zur Auskleidung von Hochöfen bspw. in der Stahlindustrie verwendet werden. Als Begleitmineral wurde Wolframit vermutet, welches eines der bedeutendsten Wolfram Erze ist. Der Großteil des weltweiten Wolfram Abbaus wird zur Erzeugung von Wolframstahl für Werkzeugstähle verwendet. Jedoch hat sich nach einiger Zeit wohl gezeigt, dass die Vorkommen in St.Oswald doch nicht rentabel sind. So wurde der Stollen schließlich aufgelassen und geriet in Vergessenheit.

Auf einige Kinder der Oswalder Dorfjugend hatte der Stollen jedoch eine gewisse Anziehungskraft. War es doch verboten sich in den Stollen zu begeben. Als dieser schließlich mit Brettern vernagelt wurde, dachte man sich, dass die Kinder nun vor dem Stollen in Sicherheit wären. Nichts da, ein Brett war schnell abmontiert und wer sich traute hinein zu schlüpfen, galt natürlich als besonders mutig.

Auch Armin Pertl und Hubert Aufegger erzählen mir, dass sie als Buben einmal neugierig waren und in den Stollen schlüpften.

Generell war die Doastwalder Jugend damals sehr viel in den Wäldern – Wiesen und Bergen unterwegs und hat so manches erlebt.

Während eines Telefonats mit Armin Pertl und Pepi Hinteregger erfahre ich dann nebenbei noch eine kleine Geschichte. Es war das Jahr 1945 und die beiden waren etwa 9 Jahre alt. Der Krieg hatte auch vor St.Oswald nicht halt gemacht und 6-7 Bomben fanden ihren Weg in unser schönes Bergdorf. Die beiden Buben stibitzten sich, nachdem sie eine leckere Nudelsuppe von der Schmiedin bekommen hatten, ein paar Zigaretten aus dem Schmiedbüro und strawanzten wie die Großen, rauchend in Richtung der Bombentrichter um diese auszukundschaften. Warum man damals auch St.Oswald bombardiert hat ist fraglich, jedenfalls waren die Bombentrichter beachtlich groß.

Mit einem Schmunzeln hängt Pepi noch an: “Normal hättn’s uns abflaschen sollen – wir dachten, wir sind Helden als wir damals mit den Zigaretten im Mund durch die Gegend strawanzt sind.”

Vielen Dank an Laßnig Bernd, Armin Pertl, Pepi Hinteregger und Hubsi Aufegger für die Erzählungen aus ihrer Kindheit und rund um den Stollen. Ein großes Dankeschön an Trattler Johann für seine Bemühungen im Archiv der RHI sowie dem Freundl Gerhard für die zu Verfügung Stellung und die vorbereitenden Recherchearbeiten.

 

Anmerkung: Bei einem Gespräch mit Bruno Lackner aus St.Oswald, teilte mir dieser mit, dass die Bomben welche über St.Oswald abgeworfen wurden, von Bombern welche in Richtung Deutschland unterwegs waren, stammen. Sie mussten wohl Ballast loswerden um über die höheren Bergregionen im Norden zu gelangen. Einer der Trichter is heute noch in der Nähe vom Bichlbauer zu sehen.

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